Was steckt wirklich hinter der enormen Kursstabilität am US-Aktienmarkt?

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Es ist nicht verwunderlich, dass die aktuellen Entwicklungen in Real- und Finanzwirtschaft die Aktienkurse seit etwa einem Jahr rund um den Globus negativ beeinflussen. Da ist zum einen die Zinsunsicherheit in den USA! Bisher erhöhte die US-Notenbank den von ihr gewählten Leitzins des Tagesgeldzielsatzes nur ein einziges Mal, kündigte aber mehrmals weitere Zinsschritte an, ohne diese allerdings auch zu vollziehen.

Ferner läuft die Weltkonjunktur noch immer mit angezogener Handbremse. So sind weder China, erst recht nicht Japan, noch West- oder Osteuropa zur Zeit Wachstumslokomotiven – das Gegenteil ist der Fall. Gerade der eher herbeidiskutierte Aufbruch in der Eurozone ist bestenfalls marginal und zudem höchst fragil.

Und auch in den USA gibt es aktuell mindestens genauso viele Hinweise auf ein zumindest langsameres Wachstum, wie auf gar keinen Zuwachs mehr. Daher sind die Kursgewinne an den Aktienmärkten in diesem Jahr hauptsächlich in jenen Ländern zu bestaunen, die stark von Rohstoffexporten abhängig sind. Denn an diesen Börsenplätzen, vornehmlich in Südamerika, spekulieren die Anleger zumindest auf eine Bodenbildung der zuvor stark eingebrieften Aktien.

Wallstreet mit unglaublicher relativer Stärke

Aktuell sorgt zudem die Unsicherheit über den Ausgang der unmittelbar bevorstehenden Abstimmung in Großbritannien über das Verlassen der Europäischen Union für weitere Unsicherheit.

So kann es daher nicht verwundern, dass sowohl die drei wichtigsten asiatischen Aktienmärke in China, Hongkong und Japan, als auch die Bluechips in Westeuropa deutlich unterhalb ihrer in den vergangenen zwei Jahren erzielten Höchststände notieren. Etwa 20 bis 35 % fehlen durchschnittlich um an die erzielten Rekordstände wieder anknüpfen zu können. Das ist nicht eben wenig.

Einzig und allein die US-Aktienmärkte sind unter den etablierten Börsenplätzen nicht zum ersten Mal in der Lage alle Belastungsfaktoren wegzustecken und nur minimal unterhalb der Rekordnotierungen zu performen. Gleichgültig ob es die 30 „Dow-Titel“, der marktbreitere S&P 500 oder die Hightech-Aktien der Nasdaq sind, für neue Höchstkurse reichen aktuell nur etwa zwei feste Handelstage in Folge. Doch warum das so ist, warum nur die Wallstreet diese relative Stärke aufweist, darüber wird kaum gesprochen.

Ungewöhnliche Käufergruppen

Ihr Chefredakteur von Sicheres Geld, Dimitri Speck, hat daher in seiner jüngsten Wochenausgabe genauer nachgeschaut, was denn die treibenden Kräfte an den US-Märkten sind – und herausgefunden hat er bei Durchsicht der gesammelten statistischen Informationen, dass es vor allem der Investment-Bereich „systematische Strategien“ ist, der unverändert Liquidität in US-Aktien pumpt.

Hinter dieser eher kryptischen Bezeichnung verbergen sich laut Speck, bzw. den Erläuterungen des Datenmaterials, vor allem sogenannte Hedge-Fonds, die auf Computer-Programme für den Ein- und Ausstieg am Markt setzen und eher einen kurzfristigen Anlagehorizont besitzen. Ein grundsolider Aufschwung würde daher anders aussehen, so die klare Interpretation.

Was sind eigentlich Hedge-Fonds?

Da sind sie wieder, diese „Hedge-Fonds“, die zumeist dann als Erklärung für ungewöhnliche Kursentwicklungen herangezogen werden, wenn diese „ungewöhnlich“ sind. Als dieser Begriff vor etwa 20 Jahren zum ersten Mal auftauchte, standen Hedge-Fonds vor allem für die Anwendung von Absicherungs-Strategien, die Manager „hedgten“ Positionen um im Falle von überraschenden Abwärtsbewegungen nicht ebenso große Verluste erleiden zu müssen wie ihre Konkurrenz, die normalen „ungehedgten“ Fonds.

Schon damals, wie auch heute, waren und sind diese Milliardenschweren Vehikel angeblich nur den betuchten Investoren, wie Milliardären oder Investmentbanken vorbehalten. Die Wahrheit ist, dass Hedge-Fonds nichts anderes als schwach oder unregulierte Kapitalkonzentrationen, die zudem häufig mit großem Fremdkapital-Anteil ausgestattet sind.

Der Einsatz von Derivaten gehört für Hedge-Fonds dabei ebenso zum gewöhnlichen Geschäft wie auch die überwiegend relativ starke Gewichtung in von den Managern dieser Fonds präferierten Anlageklassen oder gar Wertpapieren. Von einem klassischen „hedge“ kann daher aus meiner Sicht schon längst nicht mehr gesprochen werden – falls das denn jemals so war.

Letztlich sind Hedge-Fonds, die es heute in rauen Mengen gibt, nichts anderes als der verlängerte, weniger stark regulierte Arm der Investmentbanken. Nicht selten stehen sie heute auf der gleichen Seite wie die Zentralbanken, wenn es um die „Beseitigung von Marktungleichgewichten“ geht – sicherlich kein Zufall!

„The President‘s Team“

Erinnern Sie sich noch, als nach dem 1987er Crash kein geringerer als US-Präsident Reagan die sogenannte „President’s Working Group On Financial Markets“ ins Leben rief um zukünftig solche schweren Turbulenzen an den US-Aktienmärkten zu verhindern? Damals ging es den Verantwortlichen vermutlich zum größten Teils wirklich um regulative Ansätze oder eine Art Frühwarnsystem um die Volatilität an den Märkten, insbesondere der nach unten gerichteten, Widerstände in den Weg zu legen.

Bekannter wurde die „Präsidentengruppe“ erst Jahre später unter ihrem „neuen“ Namen „Plunge Protection Team, PTT“, der ihr von medialer Seite verliehen wurde. Und spätestens in bzw. seit der Finanzkrise 2008 begnügt man sich nicht mehr mit administrativen Gedankenspielen für einen „effektiveren Markt“, sondern greift direkt in das Handelsgeschehen zwecks Stützung ein. Das geht jedenfalls aus mehreren Analysen von Experten zu den Vorgängen um die „Lehman-Pleite“ eindeutig hervor.

Das Ende der freien Finanzmärkte

Inzwischen ist es fast gleichgültig ob es nun ein offizielles PTT gibt oder gab, denn die Verwicklung der Zentralbanken in die Aktien- und Anleihegemärkte ist eine Tatsache über die sich heute kaum noch jemand aufregt. Was damals noch ein ungeheuerlicher Vorfall gewesen wäre, ist heute unaufgeregte Realität: Regierungen (teilweise über Zentralbanken) greifen in das Marktgeschehen nach Belieben ein – und das nicht zu knapp!

Ob nun an den Anleihemärkten über „quantitative Erleichterungen“ in Bezug auf Anleihekäufe weltweit oder an Aktienbörsen wie in Japan. Immer mehr verbriefte Vermögenswerte sammeln sich auf der Aktiv-Bilanzseite der großen Kapitalsammelstellen inkl. der Zentralbanken. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht: inzwischen ist die Deutsche Bundesbank ganz offiziell der größte Besitzer deutscher Bundesanleihen, die Bank Of Japan größter Eigentümer japanischer Unternehmen.

Bezahlt wird der weltweite Kaufrausch an den Finanzmärkten durch staatliche oder semistaatliche Institutionen übrigens immer mit frisch gedrucktem leistungsfrei kreiertem (Zentralbank-) Geld. Druckerpressen müssen dafür nicht angeworfen werden, es reicht stets ein Klick auf die Enter-Taste eines Computers und schon wechseln die Milliarden an Dollar, Euro oder Yen „die Seite“.

Fazit:

Tun Sie sich selbst einen großen Gefallen und verabschieden Sie sich von der Idee, dass die Kursentwicklung an den Weltbörsen irgendeinem Zufall überlassen wird. Bei den Anleihemärkten ist das Spiel, das hier aufgezogen wird, klarer erkennbar, an den Aktienbörsen (für viele) noch nicht. Allerdings können Sie fest davon ausgehen, dass auch hier bereits seit Jahren große Manipulationen mit dem Zweck der Kursstabilisierung auf immer höherem Niveau ablaufen.

In Japan kauft die Notenbank ganz offiziell und massiv Aktien, ebenfalls die staatlich kontrollierten Pensionsfonds. In den USA sind es die von Großbanken mit Kreditgeld ausgestatteten „Hedge-Fonds“, die immer wieder parat stehen, wenn der Markt schwächere Tage erlebt. Für die Eurozone ist nicht auszuschließen, dass die Draghi-EZB demnächst ebenfalls Aktien und nicht nur Staat- und Unternehmensanleihen aufkauft.

Ziel ist immer über größere Bewertungsblasen die Kreditschöpfung im Geldsystem voranzutreiben bzw. einen Vermögenstransfer auch zu den Bürgern auf die Beine zu stellen. Allerdings sind diese noch immer, außer in den USA, kaum bereit in die Aktienmärkte zu investieren. Doch was nicht ist, kann und wird noch werden.

Spätestens nach der nächsten Delle im Bewertungsniveau aufgrund von Gewinnmitnahmen werden die Aktienkurse „wie von Geisterhand“ wieder nach oben schieben, verlassen Sie sich darauf. Wenn auch Sie unsere Analysen schätzen und diese regelmäßig, zumal mit konkreten Empfehlungen ausgestattet, beziehen möchten, empfehlen wir Ihnen den Abschluss eines Probe-Abonnements von Sicheres Geld. Mit nur einem Klick auf diesen Link haben Sie es fast geschafft.


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