Lockere Geldpolitik kann niemals Strukturprobleme lösen

Artikel teilen

Als vermutlich regelmäßiger Leser unserer Beiträge wissen Sie, dass Ihr Team von Sicheres Geld ohne Unterlass die extrem lockere Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken anprangert. Denn auch die NIRP („negative interest rate policy“) kann die fast weltweit schwächelnde Realwirtschaft nicht wieder auf die Beine bringen – schon gar nicht als „ultima ratio“.

Die Kollateralschäden dieser geldpolitischen Armutserklärung sind vielseitig sichtbar und lassen sich an zahlreichen Fehlpreisungen an den Märkten ablesen. Ein Effekt trifft besonders Sie, die Leser von Sicheres Geld in Form des Privatanlegers, die gerne auch den Kapitalschutz bei der Geldanlage besonders in Betracht ziehen. Doch wo Haben-Zinsen nur noch von zweifelhaften Schuldnern in wenigstens geringer Menge gezahlt werden, kann eben von Sicherheit und Schutz der Kapitalanlege nicht länger die Rede sein.

Die andere Seite derselben Medaille ist, dass sich in zahlreichen Asset-Klassen inzwischen Verwerfungen in Form von Blasenbildungen auftun, also Bewertungsniveaus erreicht werden, die im historischen Vergleich nicht als nachhaltig angesehen werden können. Hier drohen folglich üppige Gewinnmitnahmen bzw. Verlustbegrenzungen, falls diese Märkte ins Rutschen geraten, wovon auch wir ausgehen.

Stark überdehnte Mandate der Notenbanken

Im Prinzip steht die Geldpolitik von FED, EZB oder BOJ schon seit Jahren unter verstärkter Beobachtung von Wirtschaftsexperten aller Couleur, doch eine einheitliche Meinung findet sich nicht. Das liegt vor allem an den verschiedenen Aufgabenbereichen, die die Analysten den Notenbanken zuschreiben.

Sollten diese unabhängig von jeder politischen Unterstützung versuchen „zu retten was zu retten ist“, auch wenn am Ende eben trotzdem die Kaufkraft der von der jeweiligen Notenbank bestimmten Währung untergeht, dann machen Janet Yellen, Mario Draghi & Co. tatsächlich einen guten Job.

Doch sehen eben nicht nur wir bei Sicheres Geld diese Auslegung des Mandats einer Notenbank im gerade beschriebenen Umfang als erheblich überzogen an. Eine Notenbank sollte eben nicht den Verzicht der absolut notwendigen politischen Willenserklärung dadurch versuchen zu kompensieren, in dem sie immer kühnere geldpolitische Experimente unternimmt und dadurch im Laufe der Zeit für gewaltige Fehlallokationen auf Seiten der Wirtschaftssubjekte, öffentlichen Haushalte und bei Kapitalanlegern sorgt.

Wenn’s an der Struktur hakt, muss der Gesetzgeber ran – und nicht die Notenbank

Der mit Abstand wichtigste Grund, warum nicht nur in der Eurozone das Wirtschaftswachstum nicht mehr sein Potenzial entfaltet, hat rein gar nichts mit geldpolitischen Problemen zu tun – und liegt schon gar nicht an einer restriktiv wirkenden Zinspolitik – sondern ist den ungelösten Strukturproblemen geschuldet.

Gleichgültig, ob absolut notwendige und überfällige Arbeitsmarktreformen in Frankreich, Spanien oder Portugal oder der Abbau der Bürokratie inkl. wohlmöglich hunderttausender Stellen in Italien oder einem Umdenken der Steuerbehörden in Griechenland, etc. ohne diese Maßnahmen werden die benannten Staaten und damit auch nicht die Eurozone insgesamt, das eigentliche Potenzialwachstum wieder heben können.

Doch die Politik scheut sich weiterhin, diese heißen Kartoffeln anzupacken, zu groß ist die Angst vor den Reaktionen der Betroffenen, sowohl auf der Straße als auch an der Wahlurne.

Falsche Geldpolitik eröffnet Politik ungewollten Spielraum

Und spätestens hier zeigt sich eben, dass die viel zu lockere Geldpolitik der Zentralbanken eben ein Fehler ist, denn ohne Unterstützung von der Zinsfront müsste die Politik die Probleme endlich angehen. So aber kann sie ins Staatsdefizit ausweichen, schließlich kosten neue Schulden so gut wie nichts, eben kaum oder keine Zinsen.

Dass sich aus dieser Fehlinterpretation der Politik am Ende ein finanzielles und gesellschaftliches Desaster für das eigene Volk entwickeln wird, davon wollen die politisch Verantwortlichen natürlich nichts wissen und auch nichts mitbekommen. Für einige mag das sogar zutreffen, die sind einfach zu blöd um wirtschaftliche Zusammenhänge zu begreifen, andere hingegen wissen ganz genau worauf sie sich einlassen, wenn sie notwendige politische Entscheidungen aus Feigheit oder Egoismus vermeiden bzw. versuchen ganze Problemkomplexe auszusitzen.

Fazit:

Würde die Geldpolitik eine Wendung um 180 Grad vollziehen und die „Nullzinspolitik“ beenden, dann müssten endlich wieder die Parlamente, also die Legislative, die aktive Steuerung im Land übernehmen und nicht die dafür ungeeignete Geldpolitik einer Zentralbank, zumal bestimmt von Personen, denen irgendein Wählervotum gänzlich unbekannt ist, schließlich wurden diese ja nicht vom Volk, auch nicht indirekt, gewählt.

Natürlich würde so eine Entwicklung in einer ersten Reaktion hochwahrscheinlich eine rezessive Phase nach sich ziehen. Jahre, die zur langsamen Gesundung der Realwirtschaft auch benötigt werden. Und auch an den Finanzmärkten würden trübe Zeiten anbrechen, Aktienbaissen über den Erdball ziehen. Doch am Ende würde die Weltwirtschaft plus Staatshaushalte genau jene Medizin zu sich nehmen, die zum Beispiel die Troika für Athen unverändert auf dem Speiseplan hat: Austerität.

Doch daraus wird nichts werden, denn die Zentralbanken sind eben nicht, wie vom Großteil der Öffentlichkeit vermutet, die große unparteiische Kraft im Land oder einer Währungszone, sondern die „Spitzeninstitute“ der Geschäftsbanken. Schon deshalb sind alle denkbaren Maßnahmen, die den Bankenapparat schwächen würden, letztlich doch undenkbar.

Das von einigen geforderte „reinigende Gewitter“, das einen Neuanfang ohne ZIRP & Co. möglich machen würde, ist daher nicht mehr als ein frommer Wunsch, der den Geschäftsinteressen der Banken „leider“ im Weg steht. Denn diese wollen auch weiterhin ihre Finanzblasen ausleben, so stark und oft es geht, schließlich verdienen sie an diesen das meiste Geld. Und wenn es schiefgeht, sind sie allemal „systemrelevant“…

Falls Sie nicht nur unsere eher allgemein gehaltenen Analysen, sondern auch die sich daraus ableitenden Empfehlungen kennen lernen wollen, empfehlen wir Ihnen ein Abonnement unseres Börsendienstes Sicheres Geld, zumindest als Probe-Abo. Klicken Sie dafür diesen Link und gehören Sie sofort zu den Beziehern dieser für Ihr Vermögen wichtigen Finanz- und Börseninformationen.


Kostenlose Updates


Lassen Sie sich neue Artikel kostenlos per E-Mail zusenden.


Als Willkommensgeschenk erhalten Sie zusätzlich die Sofort-Hilfe “15 Schutz-Maßnahmen die Ihr Geld vor einer Enteignung bewahren” im Wert von 24,95 Euro GRATIS.